TISCHVORLAGE

Nachlese GI-Runde 2019: Punktwolken und KI

Die jüngste, inzwischen 6. Münchner GI-Runde des Runden Tisches GIS am 14. und 15. März an der TU München hat einmal mehr deutlich gemacht, wie umfassend das Themenfeld Geoinformation inzwischen geworden ist. Kaum ein Referent, der noch mit einfachen Kartenbildern agierte. Stattdessen standen Punktwolken, erweiterte Realitäten, die Chancen künstlicher Intelligenz und soziale Medien im Mittelpunkt.

Die thematischen Schwerpunkte der GI-Runde führten in diesem Jahr weit über klassische Geodatenerfassungen und -anwendungen hinaus. Die Stichworte lauteten künstliche Intelligenz und soziale Medien. Bereits die Keynote zur Eröffnung der Tagung von Prof. Dr. Xiaoxiang Zhu von der TU München befasste sich mit KI-Methoden in der Fernerkundung. Vor dem Hintergrund des Monitorings und der Kartierung von Prozessen wie etwa der Urbanisierung und dem weltweit zu beobachtenden Wachstum von Städten, machte sie die Herausforderung am Beispiel des Erkennens von sozialen Randzonen oder Slum-Gebieten deutlich. Diese Areale sehen in Asien anders aus, als in Afrika und wieder anders in Europa. Wie bringt man der Maschine bei, diese Gebiete auf Satellitendaten zu identifizieren? „Ich gebe zu, diese Aufgabe anfänglich unterschätzt zu haben“, gestand die Geodätin und Professorin für Signalverarbeitung in der Erdbeobachtung. Zhu zeigte wie solche Aufgaben schrittweise mit Methoden des Deep Learning angegangen werden können und auch welche Rolle weitere Datenquellen etwa aus sozialen Netzwerken dabei spielen können, die in Kombination mit den Satellitendaten zu entsprechenden Erkenntnissen führen.

Unter dem Blickwinkel, dass es auch bei Punktwolken, der Straßenraumodellierung oder der Auswertung von (Geo)Daten aus sozialen Netzwerken um die Verarbeitung heterogener Massendaten geht, bestanden bemerkenswerte Berührungspunkte der Themen in den wissenschaftlichen Foren der GI-Runde. Bei den Punktwolken ist die Erfassungstechnologie inzwischen in der Lage, in kürzester Zeit Millionen von Messpunkten zu liefern. Und ähnlich wie bei den geosozialen Medien geht es auch hier darum, aus örtlicher Nähe Übereinstimmung zu generieren und den Punkten inhaltliche Attribute zuzuordnen, also zum Beispiel Bauteile zu erkennen, wie sie etwa das Building Informationen Modeling (BIM) verlangt. Prof. Dr. Jörg Blankenbach von der RWTH Aachen hat in seinem Vortrag die damit verbundenen heute noch vorhandenen Probleme deutlich gemacht, denn die Ableitung von digitalen, objektbasierten Modellen aus den Daten stellt in der Praxis noch immer einen zeitaufwändigen Prozess mit vielen manuellen Arbeitsschritten dar. Was das menschliche Gehirn mit einem Blick auf die Punktwolke zu erkennen und zu unterscheiden vermag, ist dem Rechner bisher nur schwer beizubringen.

Ergänzt wurden die wissenschaftlichen Foren durch die Praxis- und Innovationsforen, in denen die konkrete Anwendung im Vordergrund steht. Das waren in diesem Jahr zum Beispiel die Ergebnisse des jüngst durchgeführten Hackathons des Runden Tisches GIS im November in Augsburg, bei dem es um vernetzte Mobilität ging. Vorgestellt wurden unterschiedliche Lösungen, um insbesondere den Stadtverkehr mittels digitaler Plattformen und Informationssysteme besser zu organisieren. Ein weiteres Themenfeld betraf die Präsentation von Geoinformation. Hier ist inzwischen 3D nahezu der Standard geworden, aber auch über Kartendarstellungen hinausgehende Konzepte – Stichwort Dashboards – sowie  Augmented Reality (AR) Lösungen wurden vorgestellt und diskutiert.

Rund 180 Teilnehmer nutzten in diesem Jahr die Chance, in zwei Tagen an der TU München beim Münchner GI-Forum einen umfassenden Überblick über den Stand von Forschung und Praxis zu gewinnen.

 

Förderpreis Geoinformatik vergeben

Beim alljährlichen Förderpreis Geoinformatik bewertet eine unabhängige Jury die eingereichten Arbeiten. Sieben Kandidaten bekamen dann die Gelegenheit, ihre Arbeit im Rahmen der Münchner GI-Runde in einem Kurzvortrag vorzustellen. „Insofern sind sie alle schon durch den Umstand ausgezeichnet, dass Sie hier sind“, wie Professor Thomas H. Kolbe bei der Preisverleihung betonte. Gleichwohl gab es je eine mit einem Preisgeld verbundene Würdigung für die beste Masterarbeit und die beste Dissertation.

Die Preisträger des Förderpreises Geoinformatik 2019 vom Runden Tisch GIS wurden im Rahmen der festlichen Abendveranstaltung der Münchner GI-Runde ausgezeichnet. Den Preis für die beste Dissertation erhielt Dr. René Westerholt von der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg, der Preis für die beste Masterarbeit wurde an Tanja Mollenhauer von der Universität Augsburg verliehen.

Westerholt hat sich mit Daten aus geosozialen Medien befasst, etwa mit den durch Anbieter wie Facebook oder Twitter produzierten georeferenzierten Informationen, die Millionen von Nutzern täglich quasi nebenbei produzieren. Er analysiert auf einer Metaebene die Methoden und Algorithmen, mit denen diese Daten gewöhnlich ausgewertet werden und hebt dabei vor allem auf die bislang ungenügend beachteten speziellen Eigenschaften dieser Daten ab: Sie entstammen einem größtenteils unkontrollierten Erhebungsprozess, was im wissenschaftlichen Kontext zu neuartigen Problemstellungen führt. Räumliche und zeitliche Nähe bedeuten beispielsweise nicht zwingend auch inhaltliche Nähe. Aus diesem Grund müssen georeferenzierte Social-Media-Daten als zwar räumlich strukturierte, aber dennoch heterogene Mischung betrachtet werden. Westerholt beschreibt vor diesem Hintergrund die Probleme der bisherigen Analysemethoden und zeigt auf, welche Forschungsfragen noch zu lösen sind.

Mollenhauer nahm in ihrer Abschlussarbeit so genannte Floating Car Data in den Blick und untersuchte, wie diese genutzt werden können, um separate Fahrspuren zu identifizieren und damit einen wichtigen Beitrag zur flächendeckenden Erfassung von Straßengeometrien zu liefern.

Zum Förderpreis gehört der Aufruf an das Publikum, die Präsentationen der Kandidaten zu bewerten. Das Ergebnis der Publikumsbewertung fließt bei der Nominierung der Preisträger mit ein. Eigene Publikumspreise gingen an Dr. Hanna Meyer von der Universität Marburg für die Weiterentwicklung von Modellierungsmethoden, um aus räumlich und zeitlich nur begrenzt erfassbaren Felddaten Informationen zu Umweltsystemen abzuleiten und Stefan Zimmer von der Universität Trier. Er hatte einen verbesserten Algorithmus zur georeferenzierten Auswertung von Sozialen Medien vorgelegt, der neben räumlicher auch emotionale Nähe der Äußerungen berücksichtigt.

 

Nachlese Geo@aktuell

„Neue Wege für Mobilität – ohne Geodaten geht nichts!“ hieß es am Vormittag des 9. April im Bayerischen Landesamt für Digitalisierung, Breitband und Vermessung. Unmittelbar vor der Mitgliederversammlung des Runden Tisch GIS hat sich Geo@aktuell mit der Entwicklung der Mobilität befasst und dabei das Augenmerk auf die bedeutende Rolle der Geodaten gelegt. Heraus kam ein Einblick in vielfältige Zukunftsszenarien, für die jetzt die Weichen gestellt werden.

In einer Sache waren sich die Experten einig: der künftige Verkehr wird vielfältiger sein und sich bei seinem Management digitaler Werkzeuge bedienen. Doch sobald es in die Details geht, welche Werkzeuge dabei auf welche Weise eine Rolle spielen, werden die Herausforderungen deutlich, die auch beim Thema Geodaten auf die Entscheider zukommen. Prof. Dr. Rolf Moeckel von der TU München hat dies anschaulich gemacht, als er die Analyse künftiger Mobilitätsformen entwarf. Der Inhaber der Professur für Modellierung räumlicher Mobilität hat beispielsweise die Anforderungen an die Daten beschrieben, mit denen künftige Verkehrsmodelle arbeiten müssen. Danach geht es letztendlich darum, ein Vielzahl individueller Entscheidungen von Verkehrsteilnehmern prognostizieren zu können beziehungsweise die Parameter zu kennen, von denen ihre Entscheidungen abhängen - auch um diese Entscheidungen im Sinne des Verkehrsmanagements zu beeinflussen. Moeckel nannte traditionelle wie neue Datenquellen, etwa aus sozialen Medien, machte aber auch die Schwierigkeiten deutlich, diese in Modellen zu berücksichtigen. Nur ein Beispiel: Parkplatzkapazitäten und die individuellen Kosten dafür, die nach seiner Annahme einen hohen Einfluss auf die Wahl des Verkehrsmittels haben. Bislang ist es noch nicht gelungen, diese Faktoren so zu modellieren, dass sich daraus belastbare Prognosen ableiten lassen.

Eine gänzlich andere Perspektive auf den künftigen Verkehr nahm Klaus Beck ein. Für den GIS-Experten der Oberhausener Netzgesellschaft steht vor allem die Frage im Mittelpunkt, welche Folgen die wachsende Elektromobilität auf das Stromnetz hat. Schon heute rechnen Versorger deshalb durch, welche Szenarien der Entwicklung sich abzeichnen um daraus abzuleiten, wie und an welcher Stelle Trafos, Kabel und Spannungsversorgung ausgelegt werden müssen, wenn immer mehr Elektrofahrzeuge ans Netz gehen. Dass Geodaten dabei eine zentrale Rolle spielen, versteht sich von selbst.

Das gilt ebenso für die digitalen Werkzeuge, mit denen der Einzelne künftig seine Bewegung von A nach B organisiert. Der Hackathon des Runden Tisches GIS in Augsburg in Kooperation mit den dortigen Stadtwerken hat eine Vielzahl von Softwarelösungen meist in Form von Apps hervorgebracht, die darauf jeweils eine Antwort zu geben versuchen. Erklärtes Ziel der Stadtwerke dabei: den motorisierten Individualverkehr zu begrenzen und mehr Nahverkehr und neue Verkehrsformen wie Car-Sharing und Ridesharing zu etablieren. Digitale Plattformen sollen diesen Mix für den Einzelnen möglichst bequem organisieren.

Welchen Beitrag in diesem Zusammenhang das Bundesverkehrsministerium leistet, hat am Ende der Veranstaltung Dr. Christopher Kaan herausgearbeitet. Er präsentierte mit mFUND das Förderinstrument des Ministeriums für neue datenbezogenen Abwendungen und digitale Lösungen im Bereich Verkehr.
 

 

 

Neuer Vorstand

Die alljährliche Mitgliederversammlung als höchstes Entscheidungsgremium des Runden Tisches GIS ist ihrer Aufgabe nachgekommen und hat entschieden: Mit Wolfgang Bauer und Karl-Heinz Holuba gibt es zwei neue Gesichter im Vorstand. Und mit der Wahl von Daniela Schleder in den Beirat, wurde dem Antrag des Vorstandes entsprochen, dieses Gremium um ein zusätzliches Mitglied zu erweitern. Denn die Arbeit im Runden Tisch GIS wird nicht weniger, wie die Jahresbilanz 2018 zeigt.

Über 1000 Besucher konnten allein die Veranstaltungen des Runden Tisches GIS im Jahr 2018 verzeichnen. Erster Höhepunkt war dabei die Münchner GI-Runde, die 2018 als kooperative Veranstaltung des 66. Deutschen Kartographie Kongress der Deutschen Gesellschaft für Kartographie e.V. und der 38. Wissenschaftlich-Technische Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Photogrammetrie, Fernerkundung und Geoinformation e.V. (DGPF) parallel und unter einem Dach an der TU München stattfand. So haben sich die verschiedenen Fachveranstaltungen einerseits gegenseitig inspiriert, blieben aber mit ihren jeweiligen Schwerpunkten eigenständig erkennbar.

Aufgrund der Vereinbarung mit der Stadt Lindau und Dr. Achim Hellmeier konnte der Runde Tisch GIS die sehr erfolgreiche Veranstaltung „3D-Forum Lindau“ als Mitveranstalter in seine Veranstaltungsreihe aufnehmen. Die Veranstaltung passt perfekt zum Kompetenzpool Stadt 3D++ des Vereins. Für jeden Themenschwerpunkt, verankert in den jeweiligen Kompetenzpools, gibt es damit über die Münchner GI-Runde hinaus eine weitere Veranstaltung.

Neuland betrat der Runde Tisch GIS mit der Ausrichtung des Hackathons „Neue Wege für die Mobilität in Augsburg“ in Kooperation mit dem Stadtwerken Augsburg. Rund 90 Teilnehmer fanden sich in 19 Gruppen in Augsburg ein, erarbeiteten kreative Ansätze und präsentierten sehr professionell ihre Ergebnisse. Vier Gewinnerteams konnten sich über ein Preisgeld von je 2.500 Euro freuen, für das Sponsorengelder eingeworben werden konnten.

Dazu kamen im zurückliegenden Jahr noch einige Tausend Downloads der zahlreichen Leitfäden, von denen mit der Version 1.2 von Geodäsie & BIM auch die aktualisierte Fassung der jüngsten Publikation zur Intergeo vorgelegt werden konnte.

Einziger Wermutstropfen der Jahresbilanz: Bei den Weiterbildungskursen kam aufgrund mangelnden Interesses nur ein Kurs zustande. Der 2. Vorsitzende Philipp Willkomm rief die Mitglieder daher dazu auf, den Bedarf an Weiterbildungskursen zu melden und auch eigene Kurse anzubieten. Firmenangebote sind ausdrücklich erwünscht, soweit es sich nicht um reine Produktschulungen handelt.

Schließlich kam die Mitgliederversammlung noch ihrer vornehmsten Aufgabe nach: Der Wahl des Vorstandes. Turnusgemäß standen drei Vorstandsmitglieder zur Wahl an. Die Amtsperioden von Dr. Klaus Brand, Angelika Jais und Andreas Schleyer endeten. Während Brand sich zur Wiederwahl stellte, schieden Jais und Schleyer aufgrund beruflicher Veränderungen aus. Erstere durch ihren Wechsel vom Bayerische Staatsministerium der Finanzen, für Landesentwicklung und Heimat in die Leitung des Vermessungsamtes in Weilheim. Andreas Schleyer schließlich verabschiedet sich in den Ruhestand.

Als einstimmig gewählte Nachfolger stellten sich Wolfgang Bauer, Präsident des Landesamts für Digitalisierung, Breitband und Vermessung, und Karl-Heinz Holuba, Leiter der Abteilung 5 Produktion (Landesvermessung) des Landesamts für Geoinformation und Landentwicklung Baden-Württemberg, vor. Mit Daniela Schleder als neues Mitglied im Beirat wird die Leiterin des Referats Geodateninfrastruktur und Landesvermessung im Bayerischen Staatsministerium der Finanzen ebenfalls künftig am Runden Tisch GIS mitwirken.

 

Exkursion nach Weilheim

Es ist soweit: der Runde Tisch GIS beginnt mit seinen angekündigten eintägigen Exkursionen zu Unternehmen und Institutionen der Geoinformatik. Exklusiv für seine persönlichen und vor allem die studentischen Mitglieder sind damit Einblicke in die aktuelle Berufspraxis möglich. Den Auftakt macht das Vermessungsamt in Weilheim.

Am 23. Mai lädt das Amt für Digitalisierung, Breitband und Vermessung (ADBV) Weilheim die persönlichen Mitglieder des Runden Tisches GIS e.V. zu sich ein. Dies Exkursion ist exklusiv für diesen Personenkreis und bildet den Auftakt zu einer Reihe künftiger Ausflüge, die insbesondere Berufseinsteigern Einblicke in die Praxis gewähren. Aber auch erfahrene Mitglieder aus anderen Arbeitsfeldern eröffnet sich die Möglichkeit, einmal einen Tätigkeitsbereich aus dem großen Themenspektrum der Geoinformation in Augenschein zu nehmen, den sie nicht aus der eigenen täglichen Praxis kennen. Anmeldungen sind möglich direkt über die Homepage des Runden Tisches GIS. Eine weitere Exkursion wird noch in diesem Jahr im Herbst zur Verwaltung des Nationalparks Bayerischer Wald führen.

 

Jetzt am Leitfaden Geodäsie  & BIM mitarbeiten

Der Leitfaden Geodäsie und BIM wurde erstmals zur Intergeo 2017 präsentiert. Auf rund 180 Seiten hatten unter gemeinsamer Federführung des Runden Tisches GIS e.V. und des DVW – Gesellschaft für Geodäsie, Geoinformation und Landmanagement e.V. über 50 Autoren aus Unternehmen, Behörden und wissenschaftlichen Institutionen ihr Wissen zusammengetragen. Nun geht es um die Fortschreibung und Aktualisierung.

Geodäten, GIS-Experten und Geoinformatiker erhalten mit dem Leitfaden Geodäsie und BIM des Runden Tisches GIS seitdem kompakte und praxisnahe Informationen über ein Thema, das die Baubranche derzeit nachhaltig verändert und noch weiter verändern wird. Der Leitfaden versteht sich als kompakte Informationsquelle und als ein Nachschlagewerk für den dynamischen BIM-Markt. Eine strukturierte Darstellung vorhandener Software und Dienstleistungen erlaubte erstmals sogar einen groben Marktüberblick. Über 4300 Downloads des kostenlosen PDF allein über die Webseite des Runden Tisches unterstreichen seine Relevanz.

Umso wichtiger ist darum die Fortführung und Anpassung des Leitfadens an die aktuellen Entwicklungen. Für die Version 2.0 werden darum ergänzende Beiträge gesucht: Dazu zählen vor allem Praxisberichte von Unternehmen und Behörden, weitere Produktvorstellungen von Hard- und Softwareanbietern und neu: Erstmals Durchführungsanleitungen zu konkreten Vermessungsleistungen. Auch die Grundlagenkapitel zu Geodäsie und BIM werden durch die Experten des Redaktionsteams gründlich überarbeitet und aktualisiert. Die neue Version 2.0 des „Leitfadens Geodäsie und BIM“ wird auf der Intergeo 2019 in Stuttgart präsentiert und steht im Anschluss wieder als frei zugängliches PDF-Dokument zum Download bereit. Wer einen Praxisbericht oder eine Produktvorstellung beitragen kann, ist aufgerufen sich bis zum 17. Mai bei Professor Robert Kaden (Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!) zu melden. Er ist Ansprechpartner des Redaktionsteams. Die Geschäftsstellen des Runden Tisches GIS und des DVW freuen sich zudem über Interesse an Anzeigenschaltungen, denn kaum eine andere Publikation dürfte die anvisierte Zielgruppe besser erreichen. Der Leitfaden bietet ein absolut hochwertiges Umfeld für Ihre Werbung.

 

Projekte gesucht für Mobiles GIS-Forum

Forst- und Landwirtschaft, Naturschutz und die Wasserwirtschaft: Das werden am 18. Juli 2019 die inhaltlichen Schwerpunkte des 14. Mobilen GIS-Forums des Runden Tisches GIS im Landesamt für Umwelt in Augsburg sein. Unternehmen und Anwender, die in diesen Bereichen praktische Anwendungen von mobilen GIS-Lösungen präsentieren können und wollen, sollten sich schon jetzt bei der Geschäftsstelle des Runden Tisches GIS melden.

Bereits gesetzt ist das Thema der Keynote: „Die Bedeutung der Digitalisierung im Naturschutz.“ es wird deutlich werden, welche Auswirkungen mobile GIS-Lösungen auf Workflow und Arbeitsprozesse entlang der gesamten Verarbeitungskette von der Datenerfassung über die Datenaufbereitung bis zur Datenbereitstellung haben. Insbesondere bei der Datenerfassung sorgen heute Satellitennavigation (GNSS) und Laserscanner für Datenmengen und Qualitäten wie sie beim ersten Mobilen GIS-Forum vor 14 Jahren kaum denkbar waren. Allerdings sind daraus heute neue Fragen entstanden: Wie umgehen mit den Geomassendaten, die scheinbar per Knopfdruck produziert werden? Ein entsprechendes Projekt des Runden Tisches GIS wird daher ebenfalls vorgestellt.

Auch das diesjährige Mobile GIS-Forum des Runden Tisches wird in bewährter Kooperation mit der GI-Geoinformatik GmbH aus Augsburg organisiert. Das langjährige Mitglied des Runden Tisches GIS feiert zudem in diesem Jahr sein 25-jähriges Firmenjubiläum und lädt daher am darauffolgenden Tag zu einer passenden Fachexkursion zur Bewerbung Augsburgs als UNESCO-Welterbe mit dem Thema “Wasserbau und Wasserkraft, Trinkwasser und Brunnenkunst in Augsburg” ein.

 

 

AUS DER LEHRWERKSTATT

Absolventen und ihre Themen

Hier stellen wir regelmäßig interessante Themen von Absolventen der Hochschulmitglieder des Runden Tisches GIS vor. Das soll zugleich die große Bandbreite möglicher Fragestellungen zeigen, die mit geographischen Daten verbunden sind. Diesmal:

Parametrisches (Geo)Design für Testplanungen von Christoph Schaller; UNIGIS Master an der Universität Salzburg

Im revidierten Schweizer Raumplanungsgesetz wurden die Einschränkung des Siedlungswachstums und die Entwicklung nach innen als Ziele festgeschrieben. Planungsprozesse werden anspruchsvoller, da eine qualitätsvolle und nachhaltige Innenverdichtung gefordert ist. Modelle auf Basis von Parametrischem Design können bei der zielgruppengerechten Vermittlung der komplexen Zusammenhänge helfen. In der Masterthesis wurde ein Geodesign-basiertes Vorgehensmodell zur Unterstützung von Testplanungen entwickelt, um die Auswirkungen von Bauvorschriften auf die innere Verdichtung besser vermitteln zu können. Eine PostGIS Datenbank und Python ermöglichen die effiziente Integration zwischen GIS und parametrischen Designtools. Das zentrale parametrische Modell lehnt sich an die Interkantonale Vereinbarung über die Harmonisierung der Baubegriffe an und nutzt Inputdaten, die schweizweit einheitlich oder zumindest in ähnlicher Form verfügbar sind. Dies begünstigt die Übertragbarkeit, die durch Anwendung auf zwei Testgebiete aufgezeigt wurde. Eine zusätzliche Sensitivitätsanalyse des parametrischen Modells und Expertenfeedback von Architekten und Raumplanern des Kompetenzbereichs Dencity für Urbane Entwicklung und Mobilität der Berner Fachhochschule sprechen dafür, dass das Modell reale Zusammenhänge gut abbildet. Die Ergebnisse sollen in kommende Praxisprojekte einfließen und weiterentwickelt werden. Die Arbeit im Volltext.

 
Hochauflösende Rasterstatistik für kommunale Anwendungen von Klaus Neudecker; Dissertation an der Universität Salzburg

Für statistische Daten mit Raumbezug werden, unabhängig davon, ob die Daten dafür aggregiert oder disaggregiert werden, vielfach 100 m Rasterzellen als kleinste praktikable Einheit angesehen. Diese Arbeit vergleicht am Beispiel der Stadt Regensburg statistische Werte, die auf der Basis von administrativen Raumbezugssystemen (Kleinräumige Gliederung) und auf Basis von Rasterzellen vorliegen. Die quantitative Analyse zeigt, dass die Flächen vieler Gebiete der kleinsten administrativen Ebenen, der Blöcke und Blockseiten, sehr viel kleiner als die Fläche einer 100 m-Rasterzelle ist. Die 100 m Auflösungsgrenze erscheint somit als sehr willkürlich. Im Unterschied zu administrativen Gebieten eignen sich Rasterzellen wesentlich besser für die weiterführende Analyse und Aggregation auf unterschiedliche Maßstäbe. Der optimale Fall ist dennoch die Speicherung auf Basis des individuellen Raumbezugs, meistens der Adresse. Eine Stärke von Rasterzellen ist, dass sie mit abnehmender Größe aufgrund ihrer neutralen Form die räumlichen Strukturen des Untersuchungsraumes immer besser wiedergeben (Abbildung). Am Beispiel von Regensburg zeigt sich dies bei Rasterzellen unter 200 m Seitenlänge. Hier spiegelt gerade das 75 m-Raster die Strukturen der Stadt sehr gut wieder, für viele Bereiche der Stadt eignet sich auch das 50 m-Raster hervorragend. Die so gewonnenen Ergebnisse sind aufgrund der unterschiedlichen städtischen Strukturen des Untersuchungsraums auch auf andere, wesentlich größere Städte übertragbar. Die vorliegende Untersuchung arbeitet eine passende Methode heraus, den Datenschutz sogar mit kleinen räumlichen Einheiten zu gewährleisten. Diese Methode eignet sich auch für weniger dicht besiedelte Gebiete bei gröberen Rasterzellen.

 

Die Abbildung zeigt MAUP-unterdrückte Wahrscheinlichkeit des Erscheinens bewohnter Adressen in unterschiedlich großen Rastern. Die Arbeit im Volltext.

 
 

FERNSCHREIBEN

Verkehrsministerium lud zum Data Run

Am 22. und 23. März 2019 hat zum vierten Mal der BMVI Data-Run im Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) in Berlin stattgefunden. Dabei handelt es sich um einen 24-stündigen Hackathon, an dem die Teilnehmerinnen und Teilnehmer ihre kreativen, innovativen und technischen Fähigkeiten rund um das Thema Mobilität unter Beweis stellen konnten.

In sehr schönen Räumlichkeiten und mit perfekter Organisation fand der 4. Data Run des BMVI statt. Die rund 70 aktiven Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus ganz Deutschland stammten von Universitäten, Firmen und aus der Open-Data-Szene. Der Zuspruch war deutlich größer, doch das BMVI musste die die Teilnehmerzahl aus organisatorischen Gründen begrenzen.

Besonderheit dieser Veranstaltung: Das Ministerium hat drei sogenannte Challenges vorgegeben: Jede Teilnehmergruppe konnte und musste sich also für eine vorgegebene Herausforderung  entscheiden: Zur Auswahl standen „Mehr Sicherheit am deutschen Drohnen-Himmel“ oder „Anwendungen für den Radverkehr als wachsendes Mobilitätssegment“ oder auch „Verschneidung von Daten aus mFUND-Projekten“. Die Drohnenteams hatten dabei am meisten Konkurrenz: Sechs Gruppen bemühten sich um dieses Thema. In Sachen Fahrradverkehr traten nur zwei Teams gegeneinander an, um die mFUND-Daten kümmerten sich fünf Teilnehmerteams.

Neben drei Sachpreisen, die innerhalb der drei Challenges von der Jury, in der Dr. Klaus Brand – Vorstandsmitglied des Runden Tisches GIS – mitwirkte, vergeben wurden, gab es auch drei Challenge-übergreifende Geldpreise zu gewinnen. Hierfür bewertete die Jury die Teams hinsichtlich der Kategorien Wirtschaftlichkeit und Kreativität. Den Gewinner des dritten Geldpreises wählte das Publikum im Communitypreis (Publikumspreis). Für die Jury war es nicht ganz einfach die Sieger auszuwählen, da das Niveau sehr ähnlich war und nicht einzelne Teamideen herausstachen. Neben dem Spaß am Event und den Daten sowie den Preisgeldern von 1000 Euro waren auch der mögliche Zugang zu Fördermitteln für die Weiterführung der Ideen ein Anreiz für die Teilnehmer.

Gewonnen haben schließlich GeoDaten4Drones: Mithilfe der Abbildung von statischen und dynamischen Luftraumfeatures für Drohnenoperatoren, boten sie eine Lösung zur schnellen Prüfung der jeweiligen Flugerlaubnis. Für den Radverkehr gewann VISION ZERO INDEX, die eine Plattform für Pushnachrichten an Radfahrer über existierende Apps vorlegten, die der Steigerung des Sicherheitsgefühls dienen. Damit gewann das verantwortliche Team auch den Publikumspreis. Bei der dritten Challenge schließlich wurde die Reiseplattform „Passenger 2.0“ prämiert. Mit ihr können Reisende Präferenzen wie Reisezeit, Preis und Emissionsmenge festlegen.

Zu der Veranstaltung gehörte auch ein Barcamp. Dabei handelt es sich um eine offene Tagung, ohne vorher festgelegte Agenda. Der genaue Ablauf wurde erst vor Ort von den Teilnehmenden bestimmt. Somit konnte jeder Interessent einen Vortrag, Workshop oder Sonstiges vorbereiten und mit den anderen Teilnehmenden darüber debattieren. Beispielsweise thematisierte Sidonia Ilie von Esri Deutschland im Barcamp die Möglichkeiten von AI und Deep Learning an Beispielen.

 

Notfallkartierung mit Satellitendaten

Seit April 2012 steht der europäische Notfallkartierungsdienst des Erdbeobachtungsprogrammes COPERNICUS (Emergency Management Service Rapid Mapping – kurz EMS RM) kontinuierlich bereit, um bei Eintreten von Naturkatastrophen, Industrieunfällen und humanitären Notlagen zeitnah aktuelle und genaue Geoinformationen an zuständige Einsatzkräfte und Koordinationszentren bereitzustellen. Die GAF AG unterstützt den Dienst weiterhin maßgeblich.

Aufgrund der Auswirkungen zunehmender extremer Wetterereignisse (Überschwemmung, Wirbelstürme, Feuer, Dürren), Erdbeben, Vulkanausbrüchen oder humanitären Krisen) wurde der Dienst seither in mehr als 352 Aktivierungen angefordert, in deren Verlauf mehr als 4500 digitale Referenz-, Abgrenzungs- und Schadenskarten erzeugt wurden.

Die GAF AG ist von Beginn an zusammen mit weiteren Partnern (e-GEOS, SERTIT, ITHACA, SIRS) entscheidend an der Bereitstellung des 24/7-Bereitschaftsdienstes erfolgreich beteiligt.  Mit dem nun um TPZ Ibérica und GMVIS SKYSOFT S.A. erweiterten und von e-GEOS geführten Konsortium trägt die GAF auch zukünftig maßgeblich an dem im 24/7 Modus einsatzbereiten Kartierungsdienst bei und unterstützt effektiv die Rettungskräfte vor Ort während der Bewältigungs- und Nachbereitungsphase. Hierbei kann gleichzeitig auf eine höhere Verarbeitungskapazität im Falle von Großkatastrophen oder zeitgleich auftretenden Naturkatastrophen zurückgegriffen werden. Damit wird auf die über die letzten Jahre kontinuierlich verstärkte Inanspruchnahme des kostenfreien und operationellen Dienstes reagiert.

Der vorliegende Vertrag, der jährlich verlängert wird, umfasst insgesamt eine Dauer von vier Jahren und ein maximales Gesamtbudget von 27 Millionen Euro. Die im Rahmen der organisatorischen und technischen Leistungsbeschreibung zu erstellenden digitalen Standardprodukte umfassen sowohl Vektor- als auch druckfertige Rasterdaten, die von den jeweiligen autorisierten Endnutzern, d.h. nationale und internationale Krisen- und Einsatzstäbe, definiert und 365 Tage im Jahr im 24/7 Modus angefordert werden können.

Die Europäische Union stellt die Ergebnisse der schnellen Kartierung für alle Behörden und Organisationen, die auf dem Feld des Katastrophenmanagements und des Zivilschutzes arbeiten, kostenlos bereit. Der europäische Dienst unterstützt dabei auch internationale Hilfseinsätze in Zusammenarbeit mit der UN, dem Internationalen Roten Kreuz und anderen Nichtregierungsorganisationen. Die Ergebnisse des Dienstes werden auch öffentlich zum Download auf einem speziell eingerichteten Portal der EU zugänglich gemacht.

 

Gesunde Wasserversorgung in Bobingen

Die Firma Steinbacher Consult hat für die Stadtwerke Bobingen ein Rehakonzept des Leitungsnetzes aufgebaut. Ziel war es, Alter und Zustand des Versorgungsnetzes für das Trinkwasser zu dokumentieren. Dazu waren Daten aus verschiedenen Systemen zusammen zu führen.

Nach dem DVGW (Deutscher Verein des Gas- und Wasserfaches) besteht für Betreiber von Wasserversorgungsanlagen die Pflicht, ein Rehakonzept zu erstellen. Dieses Konzept dient wiederum als Grundlage für eine TSM-Zertifizierung (Technisches Sicherheitsmanagement). Um diese zu erlangen muss das gesamte Wassernetz hinsichtlich verschiedener Gesichtspunkte analysiert und klassifiziert werden. Bei dieser Aufgabe spielen Geodaten eine zentrale Rolle. Diese stammen von Dienstleistern bzw. Programmen und weisen unterschiedliche Datentypen auf.

Das Wasserkataster der Stadtwerke Bobingen wird seit rund 20 Jahren in einem GIS-System verwaltet und gepflegt. Zu jedem Schaden sind somit detaillierte Informationen abrufbar. Die Schäden werden in Bobingen vor Ort mittels Listen erfasst. Diese müssen ins GIS eingegeben und platziert werden. Es wird ein eindeutiger Bezeichnungsschlüssel mit Straßenkürzel verwendet. Somit ist jedes Schadensobjekt im System eindeutig. Da die Objekte nicht unmittelbar mit der Haltung verknüpft sind, können diese selektiert betrachtet werden. Problemstellung in Bobingen war zusätzlich, dass die Rohrnetzberechnung, die ebenfalls Einfluss in das Rehakonzept nehmen sollte, in einem anderen GI-System (Stanet) als das Leitungsnetz vorliegt.

Um alle Daten gesamt behandeln zu können wurden in Bobingen die gesammelten Datensätze in das Shapeformat überführt und konnten so ausgewertet werden. Reparaturstellen an den einzelnen Wasserleitungen wurden als Objekte exportiert. Das Leitungsnetz, mit den entsprechenden Attributen, ist ebenfalls in das Shapeformat überführt worden. Über eine räumliche Überschneidung  mit ArcGIS konnte so die Menge der Schäden je Leitung errechnet werden. Beide Schlüssel aller Werte wurden zusammengeführt und können so in den beiden verwendeten GI-Systemen, Magellan und Stanet, integriert werden.

Diese Information ermöglicht schließlich die Erstellung einer thematischen Karte die jede Wasserleitung in Bezug zu ihrem Zustand darstellt. Neben der Schadenhäufigkeit wurden noch Punkte wie das Alter mit für die Bewertung herangezogen.

UMLAUFMAPPE

Weiterbildungsprogramm „Digital City - Modellieren, Analysieren & Entscheiden“

Das zertifizierende Weiterbildungsprogramm „Digital City“ verbindet in seinem einzigartigen themen- und fakultätsübergreifenden Ansatz die Bereiche Digitales Bauen (BIM) und Digitale Stadtmodellierung (CityGML) mit innovativen Analyse- und Simulationsmethoden für die Gestaltung „smarter“ urbaner Räume mit Lebensqualität.

„Smart City“ ist in aller Munde. Im realen Einsatz beschreibt der Begriff vor allem eines: die Erfassung einer Vielzahl von Echtzeitdaten der Umgebung durch Sensoren sowie deren Verfügbarkeit für IoT-Lösungen. Diese Kombination alleine ist jedoch nicht so „intelligent“, dass sie zur Lösung drängender urbaner Herausforderungen führt. Vielmehr sind digitale Modelle von Gebäuden, Straßenzügen und ganzen Stadtquartieren unabdingbar, um erfasste Daten sinnvoll für Analyse und Prognosen einzusetzen. Ergebnisse werden in den Modellen visualisiert und bieten intuitive Unterstützung für Entscheidungen zur Verbesserung der Mobilitätsströme, die Erschließung von neuen Baugebiete oder die Umsetzung von Sicherheitskonzepten.

Das zertifizierende Weiterbildungsprogramm „Digital City“ verbindet etablierte Lösungen verschiedener Disziplinen (BIM, GIS, Simulation) zu interaktiven Digitalen Stadtmodellen als Basis für die Entscheidungen für nachhaltiges Wachstum, Planung von Sicherheitskonzepten und Verbesserung der Lebensqualität. Weitere Informationen unter:
https://www.eec.wi.tum.de/de/certificate/digital-city/.

TERMINE

Kommunales GIS-Forum in Neu-Ulm

5. November 2019

Münchner GI-Runde 2020

19. und 20. März 2020