TISCHVORLAGE

Amtliche Geodaten im kommunalen Alltag

Das 4. Kommunale GIS-Forum des Runden Tisches GIS e.V. versammelte erneut rund 120 Experten vor allem aus den Rathäusern und Landratsämtern Bayerns und Baden-Württembergs in Neu-Ulm. Die breite Themenpalette unterstrich die Bedeutung amtlicher Geodaten in der kommunalen Praxis und nicht zuletzt für den Bürger.

Das jährliche Kommunale GIS-Forum mit seinen rund 120 Besuchern hat sich inzwischen zu einem wichtigen Treffpunkt für die Verantwortlichen aus zahlreichen Rathäusern und Landratsämtern der beiden Bundesländer Bayern und Baden-Württemberg entwickelt. Großes Thema in diesem Jahr: Die anstehende Koordinatenumstellung in den beiden Ländern auf ETRS89/UTM. Das Forum war deshalb der Anlass, den jüngsten Leitfaden des Runden Tisches GIS dazu ausführlich vorzustellen (siehe unten). Zweiter wichtiger Punkt: der aktuelle Stand des vom Runden Tisch GIS im Zusammenhang mit dem Kommunalen GIS-Forum angeschobenes Pilotvorhaben der länderübergreifenden Geodatennutzung der Donau-Doppelstadt Ulm/Neu-Ulm. Eine Informations- und Stadtplan-App fürs Smartphone mit zahlreichen Infos rund um den Einstein-Marathon in Ulm und Neu-Ulm konnte daher erstmals mit nahtlos passenden amtlichen Geodaten aus zwei Bundesländern präsentiert werden. Sie lieferte aktuelle Informationen für Zuschauer, Besucher und Anwohner zu Laufstrecke, Sperrungen, geändertem Nahverkehr und Umleitungen am Veranstaltungstag. Daneben bestimmten in den Themenblöcken „Geodaten und Betriebssteuerung“ sowie „Geodaten und Stadtentwicklung“ und „Geodaten und Mobilität“ vor allem Projekte aus der kommunalen Praxis die Tagesordnung des Forums. Der thematische Bogen reichte dabei vom effizienten Management von Ausgleichsflächen für Bauvorhaben bis zur Analyse des Einzelhandels in einer Stadt. In beiden Beispielen stellen die amtlichen Geodaten wichtige Grundlagen dar. Schulstandorte und Einzugsbereiche sowie unter anderem Lösungen für die mobile Datenerfassung, etwa zur Spielplatz- oder auch Baumpflege, waren weitere Themen, die direkt an den täglichen Aufgaben der Teilnehmer anknüpften.

Leitfaden Bezugssystemwechsel erschienen

Der jüngste Leitfaden des Runden Tisches GIS ist am 14. November erschienen und erfreut sich bereits hoher Nachfrage: Knapp 1000 mal ist die Publikation „Bezugssystemwechsel auf ETRS89/UTM - Grundlagen, Erfahrungen und Empfehlungen“ schon in den ersten zwei Wochen nach dem Erscheinen von der Webseite des Vereins heruntergeladen worden.

Die Ablösung des seit Jahrzehnten in der amtlichen Vermessung genutzten Koordinatensystems Gauß-Krüger durch ETRS89/UTM mag ein Thema für Spezialisten sein. Ein Spezialthema ist es gleichwohl nicht, denn sämtliche Daten, die auf die amtlichen Geobasisdaten Bezug nehmen sind davon berührt – bis hinunter zum kleinsten kommunalen Themenkataster. Bayern und Baden-Württemberg nehmen das Vorhaben jetzt zum Anlass, die Qualität ihrer Koordinaten entscheidend zu verbessern. Das Projekt wirft dabei eine Reihe sehr praktischer Fragen auf: Wie funktioniert die Umstellung? Was liefert die Landesverwaltung? Gibt es empfohlene Lösungen? Muss man in jedem Fall da mitmachen? Der Runde Tisch GIS e.V. hat vor diesem Hintergrund in enger Abstimmung mit den Vermessungsverwaltungen in Baden-Württemberg und Bayern den Bezugssystemwechsel für die Geobasisdaten auf ETRS89/UTM aufgegriffen und unterstützt alle betroffenen Anwender mit einem Leitfaden. Tatsächlich berührt die Umstellung alle Nutzer amtlicher Geobasisdaten und Geodienste - egal ob sie die amtlichen Daten in Form von Koordinatendateien, Karten und Katasterauszügen beziehen, die Daten über Webdienste und Auskunftsanwendungen nutzen oder die Daten in der eigenen GIS-, Geodatenbank-, CAD-, BIM-, Simulations- oder geodätischen Berechnungssoftware sowie in Sensoren zur mobilen Datenerfassung vorhalten. Besonderes Augenmerk richtet der Leitfaden dabei auf diejenigen, die Geofachdaten mit den amtlichen Geobasisdaten kombinieren oder sogar eigene Geofachdaten auf der Grundlage der amtlichen Daten produzieren – zum Beispiel Versorgungsunternehmen, die ihre Leitungsnetze dokumentieren. Auch zahlreiche Dienstleister, wie Planungs- und Ingenieurbüros sehen sich daher mit dem Thema konfrontiert.

Münchner GI-Runde im Februar 2017

Am 20. und 21. Februar ist die TU München wieder Schauplatz der Münchner GI-Runde. Seit über 20 Jahren bringt diese Veranstaltung des Runden Tisches GIS Wissenschaft, Wirtschaft und Behörden gleichberechtigt zusammen. In diesem Jahr lauten die thematischen Schwerpunkte unter anderem „Internet of Things", "BIM und GIS" „Neue Bilddaten in GDI“ sowie "Smart Cities“.

Die Münchner GI-Runde wird auch 2017 wieder die Welten zusammenbringen – das bedeutet, hochkarätige wissenschaftliche Sessions werden ergänzt mit Einblicken in die Praxis der Geoinformatik bei den Anwendern und abgerundet durch die Innovationsforen, in denen neue Projekte, Produkte und Dienstleistungen im Fokus stehen. Hervorgegangen aus dem langjährigen „Münchner Fortbildungsseminar Geoinformationssystem“ vereinigt die Münchner GI-Runde heute wissenschaftlichen Anspruch und praktische Anwendung mit einem Marktplatz für Nachwuchstalente und unternehmerisches Know-how. In dieser Konzentration, Bandbreite und Tiefe bieten dies nur wenige Branchentreffen.
Mit den diesjährigen Schwerpunkten Building Information Modeling, Smart Cities und Internet of Things in den Wissenschaftsforen greift die GI-Runde einmal mehr aktuelle Entwicklungen auf und sorgt für echten Wissenstransfer aus den Forschungsinstitutionen zu den Anwendern. Im Praxisforum „Neue Bilddaten in Geodateninfrastrukuren“ stehen die derzeitigen Entwicklungen der Fernerkundung im Fokus. Die aktuelle Herausforderung lautet hier, die Daten aus dem All in praktisch nutzbare Datendienste zu verwandeln, die auch Nicht-Experten gut nutzen können, zum Beispiel zur Fortschreibung von Geobasisdaten. Themen wie Navigation/LBS und Echtzeitdaten im GIS runden das Treffen in München ab. Und mit dem traditionellen Münchner Abend am ersten Tag wird erneut der passende Rahmen zur Kontaktpflege und zum Netzwerken geboten. Erstmals können die Teilnehmer der Münchner GI-Runde ihr Votum für die Vergabe des Förderpreises Geoinformatik des Runden Tisch GIS abgeben! Die Preisverleihung findet dann auf der Abendveranstaltung statt. Das vollständige Programm, alle Information und die Anmeldung finden Sie hier.

Intergeo Trendanalyse veröffentlicht

Erneut haben Studenten des Lehrstuhls für Geoinformatik der TU München unter der Leitung wissenschaftlicher Mitarbeiter in Kooperation mit dem Runden Tisch GIS die Intergeo besucht und dort das Messegeschehen analysiert sowie zahlreiche Aussteller interviewt. Das Ergebnis dieser alljährlichen von der Hinte-Messe und dem DVW finanziell geförderten Trendanalyse liegt nun vor.

Die Zukunft des Bauens und die nicht nur damit verbundene intelligente Vernetzung heterogener Daten und Sensoren sind nach dem Befund der aktuellen Trendanalyse Intergeo des Runden Tisches GIS die aktuellen und wohl auch künftigen Kernthemen der Geo-IT Branche. Schon heute markieren Schlagworte wie Smart Cities und Building Information Modeling (BIM) die Leitthemen der Intergeo. Beide Aspekte sind vor allem durch die einfache Nutzung und Zugänglichkeit von Daten und Diensten über ihren ursprünglichen Zweck und Urheber hinweg gekennzeichnet. Um diese integrierte Datennutzung zu erreichen, sind eine Vielzahl von Aspekten zu berücksichtigen. Es geht sowohl um die technische Verfügbarkeit – Stichwort Ausbau von Geodateninfrastrukturen und Verbesserung von Schnittstellen und Standards – wie auch um die rechtliche Vereinfachung – Stichwort Open Data. Beides wird als Voraussetzung gesehen, um zum Beispiel bessere Bürgerbeteiligung an der Stadtentwicklung zu ermöglichen. Konkret wurden für die Städte Hamburg, Rom und London zum Beispiel neue Onlineplattformen vorgestellt, die den Bürgen direkte und interaktive Beteiligungsmöglichkeiten in Planverfahren eröffnen können. Die stärkere Vernetzung von Daten und Diensten liefert ebenfalls neue Möglichkeiten, etwa beim Verkehrsmanagement durch das Zusammenspiel zahlreicher Sensoren in der Verkehrserfassung mit Verkehrsleitsystemen.
Die Modellierung von Gebäudedaten für die bruchlose Nutzung über die gesamte Lebensdauer eines Gebäudes hinweg als wichtigster Aspekt von BIM wurde ebenfalls schon von zahlreichen Ausstellern thematisiert und als Thema eingestuft, das künftig noch mehr Bedeutung erlangen wird, insbesondere bei der Verknüpfung von Gebäudedaten mit ihrem geographischen Kontext, oder anders ausgedrückt: bei der Verzahnung von GIS- und BIM-Technologien. Immer präzisere und schnellere Messtechniken auf zahlreichen Plattformen vom Laserscanning bis zu UAV gewinnen durch die wachsende Vernetzung über Datenplattformen ebenfalls weiteren Mehrwert.
Die gesamte Trendanalyse mit der ausführlichen Bestandsaufnahme zahlreicher weiterer Detailaspekte wie zum Beispiel, Fernerkundung, Big Data und 3D-Stadtmodelle steht zum kostenlosen Download zur Verfügung.

 

BIM World München 2016: BIM meets GIS

Mehr als 70 internationale Aussteller haben auf der BIM-World (Building Information Modeling) in München mit über 2000 Teilnehmern demonstriert, mit welchen Lösungen und Beiträgen sie die Digitalisierung und Prozessoptimierung über den gesamten Lebenszyklus eines Bauwerks voran treiben wollen. Der Runde Tisch GIS hat als Partner der Kongressmesse dazu unter anderem einen kompletten Workshop gestaltet. Thema: BIM meets GIS.

Building Information Modeling (BIM) wird derzeit als wichtigster Trend der internationalen Bauwirtschaft bewertet und steht für die Digitalisierung und Prozessoptimierung der gesamten Bauindustrie. Das bedeutet die Standardisierung des Datenaustausches aller Beteiligten von Bau- und Infrastrukturprojekten. Unternehmen aus der gesamten Wertschöpfungskette der Bau- und Gebäudemanagementindustrie haben sich darum auf der erstmals in Deutschland stattfindenden BIM World in München präsentiert und zahlreiche Beispielprojekte vorgestellt. Das reichte vom innovativen Brückenbau aus dem 3D Drucker bis hin zum Scannen von Bestandsgebäuden für Wartungs- und Dokumentationsleistungen mittels Drohnen. Auch Premieren wie die erstmalige live Vorstellung der neuen Datenbrille von Microsoft „HoloLens“ oder die Vorstellung der VR Brille „HTC Vive“ zur Nutzung für die 3D Gebäudevisualisierung fanden statt.  Mitten drin in dieser Leistungsschau: Der Workshop BIM meets GIS des Runden Tisches GIS, der als Partner der Veranstaltung mitwirkte und in der Person des 1. Vorsitzenden Prof. Dr. Thomas H Kolbe auch im Expertenkomitee bei der Programmplanung mitwirkte.

Die Idee des Workshops war vor allem, die Kommunikation der Experten untereinander zu fördern, die entweder aus der Welt der Bausoftware kommen oder der Geoinformatik verbunden sind. Mehrwerte entstehen aber vor allem aus der Kombination beider Welten. Das Ziel ist eine ganzheitliche Planung über alle Aspekte von Raum und Zeit. Erst das georeferenzierte Gebäudemodell ermöglicht zum Beispiel die Überprüfung von Auswirkungen der Objekte auf die unmittelbare Umgebung. Teure Verzögerungen von Bauprojekten etwa wegen schützenswerter Pflanzen und Tiere lassen sich so bereits im Vorfeld verhindern. Notwendig sind darum Pilotprojekte, aus denen Erkenntnisse gewonnen werden, was benötigt wird, um von der einen Welt in die andere zu kommen. Die in der BIM-Welt konzipierten Plattformen für den Lebenszyklus einer Immobilie können entsprechend ergänzt werden. Präzise und semantisch angereicherte 3D-Stadtmodelle bieten dafür alle Chancen. Praktisch existieren derzeit eine Vielzahl von Standards in beiden Welten nebeneinander, die bisher nicht zusammengeführt wurden. Bei einer Verbindung von BIM und GIS wird die Situation komplexer und vielfältiger. Aktuelles Geo-Design kann jedoch zeigen, wie die Integration von BIM und GIS an konkreten Planungsbeispielen gelingt und welche neuen Standards dafür erforderlich sind.

 
 

AUS DER LEHRWERKSTATT

Absolventen und ihre Themen

Hier stellen wir regelmäßig interessante Themen von Absolventen der Hochschulmitglieder des Runden Tisches GIS vor. Das soll zugleich die große Bandbreite möglicher Fragestellungen zeigen, die mit geographischen Daten verbunden sind. Diesmal:

Martin Sudmanns, Universität Salzburg - Master Thesis: Array database management systems for content-based image and information retrieval of remote sensing imagery

Die steigende Datenmenge von Fernerkundungsdaten durch höhere räumliche und zeitliche Auflösung stellt das Suchen und Analysieren von Satellitenbildern zunehmend vor Herausforderungen. In diesen Datensätzen („Big Earth Data“) sind viele Informationen zu räumlichen und zeitlichen Phänomenen versteckt, z.B. über landwirtschaftliche Prozesse, Stadtentwicklungen, und Vegetationsänderungen durch den Klimawandel. Diese versteckten Informationen müssen zunächst zugänglich gemacht werden. Semantische inhaltsbasierte Suchmöglichkeiten und web-basierte online-Analysen direkt in Fernerkundungsdatenbanken unterstützen den effizienten Umgang mit der Datenmenge und erleichtern die zielgerichtete Informationsextraktion. Die Masterarbeit stellt vor, wie Satellitenbilder mit vollautomatisch vorverarbeiteten semantischen Informationsebenen angereichert, in 3D-Datenwürfel gespeichert und abfragbar gemacht werden können. Hierfür wurde (i) eine neue Basisarchitektur mit einer Array-Datenbank und einem web-basierten grafischen Abfragesystem entwickelt, (ii) ein Vergleich von Array-Datenbanken zur Speicherung von Rasterdaten durchgeführt und (iii) ein Prototyp (IQ – ImageQuerying) implementiert. Mit dieser Methode und Implementierung können Fernerkundungsdatenbanken durch semantische Abfragen besser in Wert gesetzt werden. Es konnte gezeigt werden, wie die Analyse von „Big Earth Data“ für unterschiedliche Anwendungszwecke damit prototypisch möglich ist. Die Arbeit im Volltext.

Mario Kollegger, UNIGIS Salzburg - Master Thesis: „Einsatz von Geoinformatik im Triathlon Sport“ - Leistungsparametrische Modellierung und GeoSimulation der dynamisch segmentierten Radstrecke des Ironman Austria

Nach sportwissenschaftlichen Erkenntnissen soll die Rennstrategie bei der Raddisziplin von Langdistanz Triathlon Wettkämpfen so gewählt werden, dass ein möglichst gleichmäßiges Tempo über die gesamte Distanz zur optimalsten Leistung führt. Beim Auswahlgebiet des Ironman Austria wird diese Even-Pacing-Strategy jedoch nicht in die Praxis umgesetzt. Die 500 letztplatzierten Athleten wiesen in der zweiten Radrunde einen Zeitverlust von durchschnittlich 11%, also 21 Minuten, zur ersten Runde auf. Diese Diskrepanz zwischen sportwissenschaftlicher Theorie und realer Umsetzung im Wettkampf soll durch den Einsatz von GIS-Methoden und -Technologien adressiert werden. Dazu wurden Marschrouten generiert, die auf GPS Systemen aufrufbar sind, wodurch der Sportler eine ständige Anweisung und Rückmeldung zur Einhaltung der Rennstrategie erhält. Als empirische Grundlage konnten im Zuge dieser Arbeit 1,6 Millionen Punktgeometrien als raum-zeitliche Bewegungsdaten eingeholt werden, die durch 107 Athleten während des Wettkampfes aufgezeichnet wurden. Im Zuge der Arbeit wurde eine ArcMap Add-in Applikation programmiert, die auf Basis dynamischen Segmentierung und geostatistischer Analyse individuelle Marschrouten für Athleten als GPS track erstellt. Die erstellten Routen wurden durch einen Vergleich zwischen simulierten und realen GPS tracks überprüft. Die Arbeit im Volltext.

 

 

FERNSCHREIBEN

Lehrstuhl für Geoinformatik  ist „ Ausgezeichneter Ort im Land der Ideen“

Der Lehrstuhl für Geoinformatik der Technischen Universität München ist mit dem Projekt „Smart District Data Infrastructure - Intelligente 3D-Stadtmodelle“ Preisträger im bundesweiten Innovationswettbewerb „Ausgezeichnete Orte im Land der Ideen“ 2016. Zum Thema „NachbarschafftInnovation – Gemeinschaft als Erfolgsmodell“ liefert das Projekt in der Kategorie Wissenschaft eine Antwort auf die Frage, wie smarte dreidimensionale Stadtmodelle Metropolen helfen können, zukünftige Entwicklungen zu simulieren und Lösungen zu entwickeln.

Immer mehr Menschen zieht es in die Metropolen – eine Herausforderung. Ob Lärm oder Feinstaubbelastung: Damit das Leben in der Stadt lebenswert bleibt, müssen Kommunen planen. Das Konzept Smart District Data Infrastructure, das Geoinformatiker der Technischen Universität München entwickelt haben, gibt Planern das nötige, flexibel einsetzbare Werkzeug an die Hand. Städte oder einzelne Stadtteile lassen sich damit als virtuelle 3-D-Modelle abbilden, die mit Daten – etwa zum Verkehrsaufkommen – verknüpft sind. So können zukünftige Entwicklungen anschaulich simuliert und Lösungsansätze frühzeitig erarbeitet werden.

Die Smart District Data Infrastructure (SDDI) ist modular aufgebaut und definiert einen organisatorischen und technischen Rahmen, der aus den Akteuren, Anwendungen, Sensoren, urbanen Analysewerkzeugen und einem virtuellen Distriktmodell besteht. Akteure sind neben den Bürgern und der Stadtverwaltung beispielsweise auch die Ver- und Entsorger, Verkehrsbetriebe und die Immobilienwirtschaft. Sensoren können u.a. Stadtklimamessstellen, Wetterradar, Verbrauchsmessgeräte / Smart Meter, Videokameras und verkehrstechnische Sensoren sein. Urbane Analysewerkzeuge sind Softwarekomponenten, die beispielsweise die Energiebedarfe oder das Solarenergiepotenzial für alle Gebäude schätzen, Verkehrsdichte und Personenströme simulieren oder Lärmausbreitungs- und Überflutungssimulationen durchführen. Die SDDI setzt ganz auf die Basiskonzepte der Geodateninfrastrukturen mit ihren offenen Standards und ist damit herstellerunabhängig. Das Besondere an der SDDI ist, dass alle Informationen, Sensoren und Anwendungen unterschiedlicher Fachdisziplinen in einem gemeinsamen, sogenannten semantischen 3D-Stadtmodell, das auf dem internationalen CityGML-Standard basiert, verortet sind. Dieses 3D-Modell dient dabei zu mehr als nur der hübschen Visualisierung: es ist zugleich fachübergreifende Datendrehscheibe und wesentliche Grundlage für die meisten Simulationen und Analysewerkzeuge. So können z. B. der Energiebedarf der Gebäude mit ihren baulichen Zuständen und sozio-ökonomischen Kennzahlen im virtuellen Distriktmodell miteinander in Beziehung gesetzt werden und die Auswirkungen geplanter Umbauprojekte auf die verschiedenen Bereiche wie Umwelt, Mobilität, Energie und Soziales gleichzeitig betrachtet werden. Mit der SDDI werden dabei bestehende Informationssysteme nicht ersetzt, sondern auf der Basis internationaler Standards intelligent miteinander vernetzt.

Stellvertretend für alle Projektbeteiligten nahm Prof. Dr. Thomas H. Kolbe vom Lehrstuhl für Geoinformatik der TU München die Auszeichnung und die von Bundespräsident Joachim Gauck unterzeichnete Urkunde gerne entgegen und kommentierte: „Wir sind stolz, ein Ausgezeichneter Ort im Land der Ideen zu sein, und freuen uns, mit unserem Projekt den Mehrwert gemeinschaftlichen Handelns herausstellen zu können.“ Laudator Andreas Brandt von der Deutschen Bank betonte: „Dank Smart District Data fängt die Zukunft schon heute an: zu erwartende städtebauliche Entwicklungen können simuliert und frühzeitig Lösungsansätze erarbeitet werden. Davon profitieren unsere Städte, Gemeinden und die Lebensqualität in ganz Deutschland.“

Fernerkundung für Geobasisdaten

Welche Beiträge können Fernerkundungsdaten für die Fortführung von Geobasisdaten wie ATKIS und ALKIS leisten? Das war die Grundfrage eines zweitägigen Workshops zu dem sich Vertreter der Vermessungsverwaltungen der Länder, des BKG sowie aus Wissenschaft und Wirtschaft Anfang November beim Landesamt für Vermessung und Geobasisinformation Rheinland-Pfalz in Koblenz trafen.

Immer kürzere Aktualisierungszyklen für Geobasisdaten sowie die Modellharmonisierung amtlicher Daten in den Bereichen tatsächliche Nutzung und Landnutzung stellen die amtlichen Vermessungsverwaltungen heute vor neue Herausforderungen. Vor diesem Hintergrund wurden jetzt aktuelle Projektergebnisse aus Schleswig-Holstein und Rheinland-Pfalz zur automatischen Detektion von Veränderungen aus Fernerkundungsdaten präsentiert. Neben der eigentlichen Objekterkennung ging es dabei vor allem um das Thema, wie die Ergebnisse solcher automatischen Abläufe in den eigentlichen Prozess der Fortführung und Qualifizierung von ATKIS und ALKIS einfließen können. Dazu wurden entsprechende aktuelle Aktivitäten des BKG, sowie aus NRW und aus Thüringen rund um die Veränderungserkennung vorgestellt.
Der erste Tag des Workshops war dabei dem Schwerpunkt Luftbilder und Digitale Orthophotos (DOP) gewidmet Am zweiten Tag ging es primär darum, wie sich auch Satellitendaten einbeziehen lassen, insbesondere aus dem Copernicus-Programm der Europäischen Union. Hierbei wurden auch die Aspekte der automatisierten Datenbeschaffung am Beispiel des Softwaredienstes SentinelArchiver der Firma M.O.S.S. illustriert. Flankiert wurde der Workshop durch Einblicke in laufende Forschungsaktivitäten der Universitäten Karlsruhe und Trier zur Verbesserung der Erkennungsergebnisse über den Einsatz neuronaler Netze sowie durch die verbesserte Aufbereitung von Satellitendaten z.B. im Bereich der Wolkendetektion. Der Workshop zeigte Dynamik, Vielfalt und Bedeutung des Themas für die amtlichen Geobasisdatenproduzenten auf. Herausforderung der nächsten Zeit wird es sein, parallele Aktivitäten zum einen innerhalb der AdV zu bündeln und zum anderen von den Weiterentwicklungen aus Wirtschaft und Wissenschaft zu profitieren.

Augview  - Mobiles augmented reality GIS

Augview verbindet Welten: Die klassische Kartenansicht, für den gewohnten Überblick der GIS-Daten wird verbunden mit der Augmented-Reality-Ansicht, zur lokalen und intuitiven Interaktion mit GIS-Daten in 3D.

Mit der App „Augview“ – entwickelt von Augview Ltd., einem Partnerunternehmen von GRINTEC – werden laut Hersteller Betriebsmittel wie Einbauten oder Leitungsdaten live ins Kamerabild eingeblendet. Durch direkte Verbindung von einem oder mehreren GIS-Webservern mit Augview können die Nutzer GIS-Daten sowohl in traditionellen 2D Karten als auch durch 3D Visualisierung abbilden. Zusätzlich stehen sämtliche Attributinformationen der GIS-Daten zur Verfügung und können begutachtet, manipuliert und aktualisiert werden, sowohl attributiv als auch räumlich.


Augview wird beworben als:

  • intuitives Werkzeug mit dem vorhandenen Potential zur Steigerung von Produktivität und Effizienz
  • Möglichkeit der einfachen Datenpflege vor Ort und direkt anhand des realen Objektes
  • Chance zur schnellen Dokumentation von Arbeiten verknüpft mit räumlicher Information
  • Hilfe zur Vermeidung von Fehlern durch Verwechslung oder falsche Orientierung
  • Mittel zum unterbrechungsfreien Arbeiten durch die integrierte Offline-Funktionalität in Gebieten ohne Mobilfunknetz

Mit Augview steht dem Anwender demnach zum einen ein mobiles GIS zur Visualisierung und Datenpflege zur Verfügung, zu anderen eine Augmented-Reality-Anwendung, mit der man (unsichtbare) Untergrunddaten in der realen Welt visualisieren kann.

Forum Zukunft „Cluster Energie / Innovation-Bauen“

Mit zahlreichen Partnern aus Wirtschaft, Industrie und Handwerk präsentierte das Landratsamt Kulmbach – ein Mitglied des Runden Tisches GIS – Anfang November das zweitägige Forum Zukunft „Cluster Energie / Innovation-Bauen“ im Haus der Bayerischen Landkreise in München. Auf der Tagesordnung standen dabei Themen wie Energieversorgung, Anlagenbau, Energieeffizienz, Wärmepumpentechnologie, Geothermie, Bauen, Wohnen und Energetische Sanierung.

Landrat Klaus Peter Söllner eröffnete das Zukunftsforum und betonte, dass die Schonung der Ressourcen, gerade in Zeiten des Klimawandels und der Energiewende, im Fokus aller Bürger stehen muss. Foren wie dieses seien daher wegweisend, um mit gutem Beispiel voranzugehen, Klimaschutztechnologien anzutreiben und positive Möglichkeiten durch gezieltes Networking zu schaffen. „Die Fähigkeit zur Vernetzung, hohe Kompetenz und das Miteinander zeichnet die Energie – und Klimaschutzpartner in unserem Landkreis aus“, so Landrat Söllner. Der Runde Tisch GIS nahm ebenfalls an der Veranstaltung teil. Er war im Jahr 2013 auch Ausgangspunkt für ein exzellentes Beispiel an Netzwerkaktivitäten des Runden Tisch GIS, als sich die TU München, das Landesamt für Umweltschutz und der Landkreis Kulmbach für das „Pilotprojekt Energienutzungsplan Landkreis Kulmbach“ (=Wärmekataster 3D und 3D-Oberflächennahe Geothermie) zusammengetan haben. GLEN DIMPLEX DEUTSCHLAND GMBH und KULMBACH ait-deutschland GmbH, Kasendorf als deutschlandweit führende Wärmepumpenhersteller konnten mit Prof. Thomas Hamacher (TU München) über die Umsetzung des zukunftsweisenden Kulmbach-Münchner 3D-Forschungsprojektes diskutieren. Sinn des Forums war es, Ministerien, Behörden und Kommunen in München als zentralen Veranstaltungsort zum Thema „Innovation-Bauen“ anzusprechen, entscheidende Akteure zusammenbringen und zugleich die Leistungsfähigkeit und vielfältigen Qualitäten der kreativen Innovationshelden des Landkreises Kulmbach aufzuzeigen. Die Veranstaltung war eingebettet in die Ausstellung „Der Landkreis Kulmbach – Das Herz Oberfrankens“, die noch bis April nächsten Jahres im Haus der Bayerischen Landkreise zu sehen ist. Sie ist während der Öffnungszeiten (Montag bis Donnerstag 8:00 Uhr bis 16:00 Uhr, Freitag 8:00 Uhr bis 12:00 Uhr) kostenlos zu besichtigen. Weitere Informationen und Vorträge zum zweitägigen Forum Zukunft „Cluster Energie/Bauen“ Innovationshelden in München-Bauen finden sie auf der Webseite des Landkreises Kulmbach.

Digitalisierung in der Landwirtschaft

Wie sich landwirtschaftliche, ökologische und weitere beliebige Daten bei Bedarf prinzipiell leicht und einfach kombinieren ließen, war unter dem Titel “Datenfusion für Smart Rural Areas“ das Thema von  Prof. Dr. Thomas H. Kolbe auf dem  7. Agrarwissenschaftliche Symposium des Hans-Eisenmann-Zentrums (HEZ) der TU München am Wissenschaftszentrum Weihenstephan, das sich insgesamt mit Chancen und Risiken der Digitalisierung in der Landwirtschaft befasste.

"Digitale Landwirtschaft: Big Data - Smart Data – Datenmanagement" – unter diesem Titel hatte das Hans-Eisenmann-Zentrums (HEZ) der TU München Anfang September ins Wissenschaftszentrum Weihenstephan eingeladen. Die Digitalisierung in der Landwirtschaft ist  jedoch keine Zukunftsvision sondern längst eine Realität, die den Beteiligten in einer Vielzahl von Innovationen begegnet. Das beginnt bei intelligenten „off-road“-Fahrzeugsteuerungen und reicht bereits bis zu Robotern, die „manuelle“ Dienste an sensitiven Nutztieren ausüben. Dem Daten- und Informationsmanagement kommt daher eine Schlüsselfunktion zu. Das 7. Agrarwissenschaftliche Symposium griff darum diesen Themenbereich auf und setzte den Fokus auf Sensoren, Schnittstellen sowie die Vernetzung von Daten und ihre praktische Nutzung. So reihte sich auch Prof. Kolbes Vortrag ein, der mit den „Smart Rural Areas“ gewissermaßen die ländliche Version eines Smart-City Konzepts beschrieb. Genau wie in der Stadt geht es auch dabei um die virtuelle Modellierung des Raumes mit seinen realen Objekten, die durch semantische Beschreibungen nutz- und analysierbar werden. Die Vortragsfolien sowie die vollständigen Videomitschnitte aller acht Fachvorträge des Symposiums sind über die HEZ-Webseite zur Veranstaltung frei zugänglich.