TISCHVORLAGE

Nachlese Münchner GI-Runde 2016

Gestiegene Teilnehmerzahlen, hochkarätige wissenschaftliche Sessions neben praxisorientierten Erfahrungsberichten sowie zahlreichen Neuheiten aus Unternehmen, dazu ein breites Themenfeld von Fernerkundung bis Kriminalistik und gleich zwei prominente Keynotespeaker: Die 3. Münchner GI-Runde kann als sehr erfolgreiche Tagung bewertet werden.

Auch in diesem Jahr hat die Münchner GI-Runde wieder Themen und Menschen aus ganz unterschiedlichen Bereichen unter dem Banner der Geoinformation zusammengeführt. Auf dem Programm standen daher so verschiedene Dinge wie zum Beispiel Big-Data-Auswertungen von Einbruchsstatistiken mithilfe von Geodaten oder neue Webdienste für die Schifffahrt und Umweltüberwachung in Nord- und Ostsee auf der Basis aktueller Satellitendaten.
Doch diese beiden Beispiele, wie auch die Themenfülle der rund 40 Vorträge an zwei Tagen insgesamt (Teilnehmer der Veranstaltung können sich alle Präsentationen passwortgeschützt hier herunterladen), sollte nicht darüber hinweg täuschen, dass es übergeordnete und verbindende Metathemen gab. Neben dem Stichwort Big-Data betraf das vor allem Entwicklungen rund um 3D-Modelle, Cloud-Computing sowie die Satellitenfernerkundung. Tatsächlich zeigte sich, dass die Themen eng miteinander verknüpft sind. Bei der Fernerkundung etwa sorgt das Copernicus-Programm der Europäischen Union – dazu gab es eine eigene Vortragsreihe im Rahmen der Praxisforen – aktuell für ein enormes Wachstum des Datenvolumens. Denn neue Missionen der so genannten Sentinel-Satelliten produzieren seit kurzem einen kontinuierlichen Strom von Daten und Bildern zur Erd- und auch Meeresoberfläche, die ohne Big-Data Know-how und Cloud-Computing kaum noch zu beherrschen sind. Ähnliches gilt für das Thema 3D, wo datenbasierte, semantische Modellierungen bestens geeignet sind, komplexe Inhalte und Big-Data-Analysen verständlich zu visualisieren. Die wissenschaftlichen Sessions zeigten speziell beim Thema 3D, welche Innovationen im Hintergrund erforderlich sind, damit die Nutzer an der Bildschirm-Oberfläche es vergleichsweise einfach haben.
Im Mittelpunkt stand in den zwei Tagen insgesamt der Erfahrungs- und Wissensaustausch sowie der Wissenstransfer zwischen wissenschaftlichen Institutionen, Unternehmen und Behörden. Dass es dabei auch ein wenig kontrovers zugehen kann, zeigte sich an den zwei prominenten Eröffnungsrednern: Thilo Weichert, langjähriger Datenschutzbeauftragter des Landes Schleswig-Holstein, nahm die datenschutzrechtlichen Risiken etwa von Cloud-Lösungen für Behörden in den Fokus, während Jurry de la Mar, Vertriebschef von T-Systems, neuartige Cloud-Lösungen für geobasierte Satellitendatendienste skizzierte, die wie die heutigen digitalen Marktplätze für Musik und Filme funktionieren könnten. Sämtliche Vorträge der Münchner GI-Runde finden sich ausführlich im Tagungsband des Treffens, erschienen im Wichmann-Verlag als CD-ROM.

Förderpreise Geoinformatik vergeben

Die Doktorarbeit von Michael Hagenlocher über die Rolle von Geodaten bei der Vorsorge vor Seuchen wie zum Beispiel Malaria oder Dengue-Fieber, bei denen Krankheitsüberträger wie Mücken und deren Ausbreitung eine zentrale Rolle spielen, ist in diesem Jahr mit dem Förderpreis Geoinformatik des Runden Tisches GIS ausgezeichnet worden. Und auch zwei Masterarbeiten wurden prämiert.

Mit insgesamt 5000 Euro Preisgeld ist der Förderpreis des Runden Tisches GIS die am höchsten dotierte Auszeichnung der Geoinformatik in Deutschland – wobei aufgrund des Querschnittscharakters von Geodaten,  Arbeiten aus zahlreichen Studiengängen eingereicht wurden, von der Geographie über Stadt- und Raumplanung bis zur Biologie. Insgesamt begutachtete die Jury aus den Professoren Ralf Bill (Universität Rostock), Jörg Blankenbach (RWTH Aachen), Jukka Krisp (Universität Augsburg) und Patrick Ole Noack (Hochschule Weihenstephan-Triesdorf) zwölf eingereichte Masterarbeiten und drei Dissertationen.
Mit jeweils 1000 Euro Prämie bedacht wurden schließlich Judith Aker und Wolfgang Zahn für ihre Masterarbeiten und Michael Hagenlocher mit 3000 Euro für seine Dissertation. Aker hat  untersucht, wie 3D-Visualisierungen von Hochwasserrisiken aussehen und bereitgestellt werden sollten, um private Immobilienbesitzer zu mehr Vorsorge zu motivieren. Zahn hat sich mit der Simulation von Sonneneinstrahlungen in sogenannten semantischen 3D -Stadtmodellen befasst, bei denen es möglich ist, beliebige Information mit einzelnen Dach- und Wandflächen zu verknüpfen. Hagenlochers Doktorarbeit schließlich hat sich mit der Rolle von Geodaten bei der Vorsorge vor Seuchen wie zum Beispiel Malaria oder Dengue-Fieber befasst, bei denen Krankheitsüberträger wie Mücken und deren Ausbreitung eine zentrale Rolle spielen. Auch hier spielte die Frage eine Rolle, wie die (Geo-)Daten inhaltlich und technisch aufzubereiten sind, um von medizinischen Praktikern und Entscheidern vor Ort einfach benutzt werden zu können. Alle drei Arbeiten wurden von den Preisträgern im Rahmen der GI-Runde des Runden Tisches GIS in Vorträgen präsentiert.

Aktualisierter Leitfaden über Mobile GIS

Ständige Innovationen bei Hard- und Software, Fortschritte bei der Verfügbarkeit schneller Mobilfunknetze und rasant steigende Verkaufszahlen von Smartphones und Tablets mit GNSS-Sensoren sorgen dafür, dass sich kein anderer Einsatzbereich im GIS-Umfeld so schnell weiterentwickelt und verändert wie mobile IT-Anwendungen. Der erfolgreiche Leitfaden „Mobile GIS“ des Runden Tisches GIS e.V. begleitet seit 2013 diese Entwicklung. Jetzt liegt er in einer aktualisierten und inhaltlich deutlich erweiterten Version 2.1 vor.

Moderne Ortungstechnologien, Apps und Touchscreens erlauben heute mobile Lösungen für den Umgang mit geographischen Daten, die professionelle Ansprüche erfüllen, für deren Einsatz aber kein Expertenwissen benötigt wird. Das verändert Arbeitsabläufe und Geschäftsprozesse. Vor diesem Hintergrund gibt der Runde Tisch GIS e.V. daher jetzt die noch einmal komplett überarbeitete, erheblich erweiterte und rundum erneuerte Version 2.1 seines 2013 erstmals erschienenen Leitfadens zum Thema „Mobile GIS“ heraus. Er wird seit Ende Februar 2016 als PDF unter www.rundertischgis.de/leitfaden-mobile kostenlos bereitgestellt. Auf rund 260 Seiten gibt die Publikation Hintergrundinformationen zu Technologien und Marktentwicklungen, liefert zahlreiche Beispiele praktischer Anwendungen sowie die Vorstellung  zahlreicher Hard- und Softwareprodukte in einheitlicher Struktur, zur einfachen Vergleichbarkeit. Dazu kommen umfassende Checklisten und konkrete Handlungsempfehlungen für alle, die mit dem Aufbau eigener professioneller mobiler Geodaten-Anwendungen in Kommunen, Fachverwaltungen und in Unternehmen befasst sind. Über 30 Autoren aus Unternehmen, Hochschulen und Behörden haben für diesen Leitfaden ihr Know-how eingebracht.
Vor allem Innovationen rund um robuste Hardware, GNSS-Empfänger und Anwendungssoftware stehen im Fokus der neuen Version. Darüber hinaus wird der Bereich Indoor-Positionierung noch ausführlicher behandelt und aktuellen Entwicklungen aufgenommen, gleiches gilt für das Thema Sicherheit. Neu sind auch die länderspezifischen Aufbereitungen zu Geodaten- und Dienste-Angebote aus Österreich und der Schweiz. Die Verbindung mobiler Lösungen zu Entwicklungen im Umfeld von Galileo, Copernicus, Cloud, Geo-Apps und Open Data finden nun ebenfalls Platz im Leitfaden. Das alles wird ergänzt mit neuen Branchenszenarien aus kommunalen Anwendungsbereichen und bei Stadtwerken sowie zahlreichen aktuellen Praxisbeispielen.

Neues Format: Geo@Aktuell am 27. April über den Weg zu ETRS89 / UTM

Nochmalige kleine Erinnerung: Mit dem neuen Veranstaltungsformat Geo@Aktuell greift der Runde Tisch GIS am 27. April 2016 ab 9:30 Uhr im Bayerischen Landesamt für Digitalisierung, Breitband und Vermessung in München das Thema der anstehenden Umstellung vom Gauß-Krüger-Koordinatenreferenzsystem zu ETRS89/UTM in Bayern und Baden-Württemberg auf. Unmittelbar danach beginnt am gleichen Ort die Mitgliederversammlung des Vereins.

Erleichterter grenzüberschreitender Datenaustausch und vereinfachte GNSS-Vermessung: Der Sprung von Gauß-Krüger zum neuen Bezugssystem ETRS89 mit dem zugehörigen Koordinatensystem UTM verspricht zahlreiche Verbesserungen – aber gute Neuerungen machen Arbeit. Experten aus den Vermessungsverwaltungen in Bayern und Baden-Württemberg präsentieren ihre Strategien und Zeitpläne zur Koordinatentransformation, Unternehmer zeigen Lösungen für die praktische Umsetzung und Anwender auch aus anderen Bundesländern berichten von ihren Erfahrungen in Sachen Umstellung auf ETRS89/UTM. Denn die Ablösung von Gauß-Krüger betrifft nahezu jeden Anwender – vom Planungsbüro über Energieversorger bis hin zur kommunalen Verwaltung, weil sich auch zahlreiche Geofachdaten aus allen Themenfeldern auf die amtlichen Geobasisdaten beziehen. Anmeldungsunterlagen und das vollständige Programm finden Sie hier.

Neue Mitglieder beim Runden Tisch GIS

Der Runde Tisch GIS freut sich über erneuten Zuwachs: Die Bonner WhereGroup ist unser jüngstes Firmenmitglied, wenngleich in Sachen GIS natürlich schon ein alter Hase. Ebenfalls neu dabei: Das Bayerische Landesamt für Umwelt (LfU).

Die WhereGroup versteht sich als ein mittelständischer Dienstleister und Lösungsanbieter im Bereich webbasierter Geodaten-Infrastrukturen. Das Spektrum der angebotenen Lösungen reicht von einfachen Lageskizzen über Geoportale und kartenbasierte Datenverwaltung bis hin zu hochverfügbaren Anwendungen für die freie Wirtschaft und die öffentliche Verwaltung. Das Angebot umfasst nach Angaben des Unternehmens alle Leistungen rund um Beratung, Konzeption, Entwicklung, Aufbau und Betrieb dynamischer Kartenanwendungen im Intra- und Internet. Das Unternehmen ist dabei auf die professionelle Anwendung, Integration und Entwicklung von freier Software spezialisiert und verweist auf langjährige Erfahrung im Umgang mit Geodaten in komplexen Architekturen. Darauf basiere ein umfangreiches Portfolio an bewährten Lösungen mit OpenSource-Technologien.
Darüber hinaus veranstaltet die WhereGroup mit ihren rund 30 Mitarbeitern an den Standorten Bonn und Berlin ein umfangreiches Schulungs- und Workshop-Programm im GDI-Bereich. Neben  regelmäßigen Lehrgängen unter anderem zu den OpenSource-Produkten Mapbender, MapServer, GeoServer, QGIS und PostgreSQL/PostGIS, bietet man zahlreiche praxisorientierte Informationsveranstaltungen und Workshops zu aktuellen Themen wie INSPIRE oder ALKIS an. Am 2. Juni 2016 lädt unser neues Mitglied zu einer kostenfreien Konferenz zum Thema „OpenSource-GIS – Möglichkeiten, Technologien und Einsparpotenziale“ nach Berlin ein. Weitere Informationen erhalten Sie hier.

Das „Bayerische Landesamt für Umwelt“ und sein Engagement in Sachen Geodaten stellen wir im nächsten Newsletter ausführlich vor.

 

AUS DER LEHRWERKSTATT

Absolventen und ihre Themen

Hier stellen wir regelmäßig interessante Themen von Absolventen der Hochschulmitglieder des Runden Tisches GIS vor. Das soll zugleich die große Bandbreite möglicher Fragestellungen zeigen, die mit geographischen Daten verbunden sind. Diesmal:

Benjamin Tim Eberle, TU München, Lehrstuhl für Geoinformatik – Bachelorarbeit
Validierung von geschätzten Sonneneinstrahlungswerten anhand von Messdaten des Deutschen Wetterdienstes für die Standorte Potsdam und Weihenstephan

Die Arbeit ist das Ergebnis eines umfassenderen Vorhabens am Lehrstuhl für Geoinformatik der TU München, wo derzeit Werkzeuge zur Abschätzung der solaren Einstrahlung auf Grundlage semantischer 3D Stadt- und Landschaftsmodelle in CityGML entwickelt werden. Den Kern dieses Werkzeugs zur Solarpotentialanalyse stellt dabei ein vereinfachtes Transitionsmodell zur Schätzung der an der Erdoberfläche ankommenden direkten und diffusen Sonnenstrahlung dar. Im Rahmen der Bachelorarbeit erfolgte eine Validierung der mittels des Transitionsmodells simulierten Strahlungswerte mit präzisen Bodenmessreihen des Deutschen Wetterdienstes an den Standorten Potsdam und Weihenstephan. Dabei werden sowohl Aussagen über die erreichbaren Genauigkeiten des Transitionsmodells in verschiedenen Zeitauflösungen getroffen, sowie auch Trends in den Abweichungen der simulierten Strahlungswerte identifiziert. Auf Basis der Ergebnisse werden Anstöße zur Optimierung des Transitionsmodells gegeben. Die Arbeit im Volltext.

 

 

FERNSCHREIBEN

AED-SICAD implementiert ArcFM UT in der Sparte Strom

Nach der Migration der Sparte Gas sind die Wiener Netze nun auch in der Sparte Strom mit der Software ArcFM UT der Bonner AED-SICAD AG produktiv – ein langjähriges Firmenmitglied des Runden Tisches GIS.  Ziel dieser Umstellung ist, die Datenbestände zu einer Multi-Utility-Datenbank zusammenzuführen und integriert weiter zu bearbeiten.  Die gemeinsame Datenbank stellt damit das Herzstück des Asset Managements der Wiener Netze dar.

Mit der Migration der Sparte Fernwärme nach ArcFM UT ist eine weitere Konsolidierung und gemeinsame Nutzung von Datenbeständen geplant. Das Projekt zur Umstellung auf ArcFM UT hatte eine Laufzeit von etwa zweieinhalb Jahren. Es wurde in Zusammenarbeit mit Wien-IT, den Wiener Netzen und AED-SICAD durchgeführt. Zu den Aufgaben von AED-SICAD gehörte die Parametrierung, Datenmigration und Funktionserweiterungen. Das Projektmanagement wurde mit drei gleichberechtigten Projektleitern besetzt. Dieses Modell stellte sich als äußerst effizient heraus. So konnte das Projekt termingerecht ohne Leistungsverlust abgeschlossen werden. In einem Vorprojekt wurden zudem detaillierte Anforderungsprofile und Machbarkeitsstudien erstellt.
Das Netzinformationssystem der Wiener Netze wartet mit vielen Neuerungen auf. So wurde bei der Migration auf die Bemaßung verzichtet. Die vorliegenden Geodaten sind hinreichend genau. Auf Grund der durchgehend elektronisch verfügbaren Geodaten auch auf mobilen Geräten können die Positionen direkt im Datenbestand abgegriffen werden. Ein weiterer zentraler Bestandteil bei der Fortführung der Datenbestände ist die Generalisierung der Störungspläne. Diese werden aus den Bestandsplänen mit Hilfe der UT Generalisierung automatisiert abgeleitet und dann manuell nachgearbeitet. Dadurch entsteht ein weiteres optimiertes Planwerk für einen speziellen Einsatzzweck, ohne diese vollständig neu erfassen zu müssen. Die Wiener Netze haben auf diesem Gebiet Pionierarbeit geleistet und können heute ein qualitativ hochwertiges, gut lesbares Planwerk in Maßstäben zwischen 1:1.000 bis 1:5:000 bereitstellen.
Die Einführung von Netzinformationssystemen war in den vergangenen Jahren geprägt von umfangreichen Funktionsentwicklungen und damit hohen Folgekosten bei der Wartung des Systems. Die Standardsoftware ArcFM UT bietet einen so hohen Fertigungsgrad, dass selbst große Netzbetreiber wie die Wiener Netze mit einem Minimum an Individualentwicklung auskommen.
Die Wiener Netze nutzen ArcFM UT nun auf 40 Arbeitsplätzen zur Fortführung der Gas- und Stromdaten. Das System ist Datenlieferant für Reportingsysteme, SAP, Netzberechnung sowie Instandhaltungssysteme im Bereich Nieder- und Mittelspannung und Anlagen und damit ein zentraler Baustein der Unternehmens-IT.

WebOffice unterstützt das EU-Projekt „DIE – Chance für das Dorf!“

In der Eifel haben die vier Verbandsgemeinden Daun, Gerolstein, Kelberg und Ulmen mit 125 Dörfern unter der Federführung der Verbandsgemeindeverwaltung Daun das Projekt zur Förderung der Dorfinnenentwicklung (DIE) vorbereitet. Im Kern geht es darum, den Gebäude- und Wohnungsbestand mittesl WebGIS exakt zu erfassen und Veränderungen möglichst präzise prognostizieren zu können.

Ländliche Gebiete attraktiv und lebenswert gestalten heißt auch, Leerstände zu vermeiden. Denn viele leer stehende Wohnungen und Häuser bergen die Gefahr, dass ganze Ortskerne veröden und verfallen. Obwohl die Problematik seit Jahren bekannt ist, gibt es nur wenige Gemeinden, die sich einen sachlich fundierten Überblick über das tatsächliche Ausmaß der Problematik verschaffen und über die Jahre fortführen. Die vier Verbandsgemeinden Daun, Gerolstein, Kelberg und Ulmen mit 125 Dörfern nehmen sich das Thema jetzt aber vor. Der Projekttitel „DIE – Chance für das Dorf!“ ist dabei Programm: Die Eifeldörfer sollen für die Zukunft fit gemacht werden. Unter Einsatz der WebGIS-Lösung WebOffice von AED-SYNERGIS kartieren die Ortsbürgermeister den aktuellen Leerstand und können anhand dessen Innenentwicklungspotenziale erarbeiten. Zu diesem Zweck führt die Verbandsgemeinde Daun amtliche ALKIS-Daten zur Gebäudestruktur sowie EWOIS (Einwohnerinformationssystem)-Daten vom Einwohnermeldeamt fort. Die Leerstandsdokumentation nutzt zwei Quellen: Daten vom Einwohnermeldeamt und die vor-Ort-Begehung von Ortsbürgermeistern, die genaue und persönliche Kenntnisse über die Einwohnerstruktur sowie Zu- und Fortzug innerhalb ihrer Ortsgemeinde haben.
Je nach Nutzungsgrad der Gebäude können verschiedene Kriterien im WebOffice-DIE-Projekt gewählt werden. So kann einem Gebäude die Kategorie Vollnutzung, Leerstand, potenzieller Leerstand oder Wochenendhaus zugeordnet werden. Entsprechend dieser Kriterien werden die Gebäude in der Karte per Knopfdruck kartiert. „Mit den Daten soll unter anderem Bewusstseinsbildung für eine notwendige Dorfinnenentwicklung vor Ort betrieben werden. Ebenfalls lässt sich daraus unter Umständen ein Bedarf für kommunal aufzulegende Förderprogramme ableiten“, so Katharina Junk von der Bauabteilung der Verbandsgemeinde Daun.

Neu aufgelegt: „Grundlagen der Geo-Informationssysteme“

Seit über 25 Jahren ist Ralf  Bills Lehrbuch „Grundlagen der Geo-Informationssysteme“ das Standardwerk für Studium und Praxis im Bereich Geoinformatik/GIS. Insbesondere seine interdisziplinäre und internationale Betrachtungsweise zeichnet es aus. Jetzt liegt die 6. komplett überarbeitete und aktualisierte Auflage vor.

Die enthaltenen Informationen zu allen Hard- und Softwareaspekten, GIS-Architekturen und GIS-Produkten sind damit auf den aktuellsten Stand gebracht. Das Thema Zeit – als vierte Dimension der Geo-Informationssysteme – ist jetzt ebenfalls durchgängig integriert worden. Die umfangreich behandelte GIS-Verarbeitungskette von der Datenerfassung über die Datenverwaltung und Datenanalyse bis zur Datenpräsentation konnte an vielen Stellen noch einmal erweitert werden. Auch die zahlreichen Anwendungsfeld, die sich GIS-Lösungen heute erobert haben, werden systematisch in einem eigenen Kapitel aufgearbeitet. Der Inhalt wird insgesamt durch eine Vielzahl von Abbildungen unterstützt. Zahlreiche Beispiele und Aufgaben mit Lösungen ermöglichen eine eigenständige Umsetzung des Stoffs. Damit ist dieses Werk auch ideal zum Selbststudium geeignet. Es ist als Buch oder eBook oder auch als Kombination beider Varianten erhältlich und im Wichmann Verlag erschienen.

Immobilienwirtschaft will mehr 3D-Stadtmodelle

Der Rat der Immobilienweisen hat in seinem aktuellen Frühjahrsgutachten zur Entwicklung des Immobilienmarktes in Deutschland nicht nur Rekordinvestition in der Bauwirtschaft festgestellt, sondern auch das Digitalisierungspotenzial der Branche betrachtet. Das Fazit: 3D-Stadtmodelle erscheinen als besonders geeignet, um Immobiliendaten sinnvoll zu verknüpfen und verständlich zugänglich zu machen.

Der Einfluss der Digitalisierung auf die Immobilienwirtschaft ist nach Auffassung des Rates der Immobilienweisen umfassender als es oberflächlich betrachtet erscheint. Einen tiefen und aktuellen Einblick in das Marktgeschehen ermöglichen Informationen aus digitalen Quellen. „Zukünftige Datenanwendungen werden noch stärker darauf ausgerichtet sein, den Immobilienmarkt transparenter zu machen und Angebot und Nachfrage schneller und passgenauer zusammenzuführen“, wird Jan Hebecker, Leiter Märkte und Daten bei ImmobilienScout24 und Mitglied des Expertengremiums zitiert. Die größten Wachstumspotenziale bestehen in den nächsten zehn Jahren im Bereich „Smart Home“, also in der automatischen Steuerung und Vernetzung diverser Techniksysteme und Geräte im Haus, sowie in der Sicherheit und Energieeffizienz von Büro- und Gewerbeobjekten, der Automatisierung des Einzelhandels und in Bezug auf die gesamtstädtische Infrastruktur. Allerdings wird diese Entwicklung nicht unbedingt als zwangsläufig angesehen: Um die prognostizierten Wachstumspotenziale auszuschöpfen, bedarf es demnach  einer politischen Initiative, die darauf abzielt, die in der Immobilienwirtschaft generierten Informationen sinnvoll zu verknüpfen und zugänglich zu machen. Hierfür erscheinen den Experten 3D-Stadtmodelle am besten geeignet.
Zum Hintergrund: Seit Herbst 2002 liefert der „Rat der Immobilienweisen“ als Expertengremium des Zentrale Immobilien Ausschusses (ZIA) regelmäßig Frühjahrsprognosen zur Entwicklung der Immobilienmärkte. Der ZIA wiederum ist ein Unternehmerverband und versteht sich als Stimme der Immobilienwirtschaft. Er nimmt durch zahlreiche Verbandsmitglieder für sich in Anspruch rund 37.000 Unternehmen der Branche zu repräsentiere und ist seinerseits Mitglied des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI).